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Krypto im Licht von Graham und Dodd: Investition oder Spekulation?

Mike Lehmann + AI • 17. Februar 2026

Ein Klassiker trifft auf volatile Märkte


Bevor wir uns den aktuellen Turbulenzen an den Kryptomärkten widmen, lohnt ein Blick zurück ins Jahr 1934. Inmitten der Großen Depression veröffentlichten Benjamin Graham und David Dodd ihr monumentales Werk „Security Analysis“ – ein Buch, das bis heute als die „Bibel“ des werteorientierten Investierens gilt und das Fundament für eine rationale, zahlenbasierte Bewertung von Wertpapieren legte.


In einer Zeit, in der Kryptowährungen wie Bitcoin seit ihrem Allzeithoch von rund 126.000 US-Dollar (Oktober/November 2025) auf unter 70.000 Dollar abgestürzt sind – ein Rückgang von fast 40 Prozent –, ist ihr Regelwerk aktueller denn je. Es hilft uns, die Grenze zwischen einer Kapitalanlage/einem Investment und einer Spekulation zu ziehen.


Wer waren Graham und Dodd?


Benjamin Graham gilt als Vater des wertorientierten Investierens. Zusammen mit seinem Kollegen David Dodd lehrte er an der Columbia University und entwickelte eine Methodik, die das spekulative Fieber der Märkte durch nüchterne Zahlenanalyse ersetzen sollte. Das Ergebnis war „Security Analysis“ (1934), ein Werk, das Warren Buffett später als sein wichtigstes Buch über Investitionen bezeichnen sollte.


Graham und Dodd definierten ein Investment über drei strikte Kriterien: erstens eine gründliche Analyse, zweitens die Sicherheit des eingesetzten Kapitals und drittens eine angemessene Rendite. Alles, was diesen drei Kriterien nicht standhielt, nannten sie schlicht Spekulation. Diese Unterscheidung ist das Herzstück ihres Werkes – und der Maßstab, an dem wir Kryptowährungen messen wollen.


Die drei Säulen des Investierens – und die Krypto-Realität


1. Die gründliche Analyse


Laut Graham muss ein Investor die Bilanz, die Erträge und die Wettbewerbsposition eines Unternehmens prüfen. Kennzahlen wie das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV), das Kurs-Buch-Verhältnis (KBV) oder der Return on Invested Capital (ROIC) bilden dabei die Grundlage jeder Entscheidung. Da Kryptowährungen jedoch keine Cashflows, also realen Geldfluss in einer Buchhaltung z. B. nach dem Verkauf eines Produktes, generieren, keine Dividenden zahlen und keine materiellen Vermögenswerte besitzen, fehlt die Grundlage für eine fundamentale Bewertung. Ein innerer Wert (intrinsic value) lässt sich mathematisch nicht seriös ermitteln. Namhafte Kritiker wie Nassim Nicholas Taleb, Autor von „Der schwarze Schwan“, geben an, dass der wahre innere Wert von Bitcoin exakt  null sei.


2. Die Sicherheit des Kapitals


Das primäre Ziel einer Investition nach Graham ist der Schutz vor einem dauerhaften Kapitalverlust. Sein zentrales Konzept, die „Sicherheitsmarge“ (Margin of Safety), dient dazu, sich gegen Fehleinschätzungen abzusichern. Bei Kryptowährungen – wo Bitcoin allein von 126.000 auf unter 70.000 Dollar gefallen ist und Ethereum (ETH) im Februar 2026 Einbrüche von über 40% verzeichnete – ist eine solche Sicherheitsmarge unberechenbar. Der Preis wird fast ausschließlich von Marktpsychologie bestimmt.


3. Die angemessene Rendite


Während ein Investor eine Rendite aus den erwirtschafteten Gewinnen eines Unternehmens erwartet, hofft der Krypto-Anleger meist darauf, dass ein anderer Käufer später mehr bezahlt. Dieses Phänomen nennt sich „Greater Fool Theory“. Nach der Definition von Graham und Dodd ordnet dieses Merkmal Kryptowährungen eindeutig dem Bereich der Spekulation zu.


Risiken im aktuellen Marktumfeld (Februar 2026)


Wer Krypto-Assets trotz der Kursstürze hält oder zukauft, sollte sich der spezifischen Risiken bewusst sein, die Graham und Dodd als spekulativ einordnen würden:


  • Fehlender innerer Wert: Es gibt keinen Ankerpreis, der den Kurs bei Panikverkäufen nach unten absichert.
  • Extreme Volatilität: Einbrüche von 40 Prozent sind in regulierten Märkten oft Zeichen eines Zusammenbruchs – im Krypto-Bereich gelten sie als systemimmanent, also systembedingt logisch.
  • Abhängigkeit von Marktpsychologie: Da fundamentale Daten fehlen, wird der Preis fast ausschließlich durch Angst und Gier bestimmt.
  • Expertenwarnungen: Analysten wie Tom Lee prognostizieren für Q1 2026 weitere Rücksetzer von 10–15 Prozent, bedingt durch Gewinnmitnahmen und geldpolitische Unsicherheiten.


Fazit: Spekulation muss als solche benannt werden



Für Anleger bedeutet diese Analyse nicht zwingend, dass Kryptowährungen wertlos sind. Insbesondere die mit Vermögenswerten gedeckten Coins, die in der echten Welt bei Treuhändern verwaltet werden – die Stablecoins.


Für den Rest des circa vier Billionen US-Dollar großen Marktes müssen die Kryptos als das benannt werden,  was sie sind: hochriskante Spekulationsobjekte. Wer sie dennoch in sein Portfolio aufnimmt, sollte dies im vollen Bewusstsein tun, dass er sich außerhalb des geschützten Rahmens einer wertorientierten Anlage nach Graham und Dodd bewegt.


Die Botschaft der „Security Analysis“ ist dabei zeitlos: Substanz schützt. Wer auf Substanz verzichtet, spekuliert – egal ob im Jahr 1934 oder 2026.


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Quellenangaben:


06.02.2026 | SRF | Bitcoin halbiert – warum stürzt der Kurs ab?

13.02.2026 | Wallstreet Online | Panik am Krypto-Markt: Rekordtief im Angst-Index

15.02.2026 | Wallstreet Online | Bitcoin unter Druck: 55.000 fair – Absturz bis 35.000 möglich

27.07.2026 | Newsblog | Krypto-Investments Basics – Chancen und Risiken, diskutiere Zukunftsperspektiven und ein ehrliches Fazit

Benjamin Graham & David Dodd:   Security Analysis“, 7. Auflage (2023), McGraw Hill. ISBN: 978-1-264-93240-5

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