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Chinas Subventionen – oder Europas hausgemachter Niedergang?

Ein Jahrzehnt Nullzinspolitik. Subventionen in Milliardenhöhe für Windräder, Solarparks und Elektroautos. Rettungspakete, um die Folgen der Coronakrise abzufedern. Und nun gigantische Schuldenprogramme für die militärische Aufrüstung. In nur vier Jahren plant die Große Koalition unter Kanzler Merz mit rund 850 Milliarden Euro mehr neue Schulden, als die alte Bundesrepublik in 40 Jahren angehäuft hat. Der Westen hat in den vergangenen Jahren kaum eine Gelegenheit ausgelassen, Geld in die Hand zu nehmen, das er nicht hatte. Und trotzdem verliert Europa Jahr für Jahr Marktanteile an asiatische Hersteller.
Die bequeme Erklärung: Schuld seien die Subventionen in China und den Schwellenländern, so heißt es in Brüssel und Berlin. Doch was dort als Subvention angeprangert wird, ist bei genauerem Hinsehen vor allem eines: ein niedriges Zinsniveau, also billiges Kapital für Unternehmen. Ausgerechnet der Westen, der selbst über Jahre mit Null- und sogar Negativzinsen und gleichzeitigen Milliardenhilfen gearbeitet hat, beklagt sich darüber. Wer über Chinas Subventionen klagt, sollte einen Blick in den eigenen Haushalt werfen: Drei von vier Euro der EU flossen zuletzt in Agrarhilfen und Strukturförderung.
Wenn billiges Geld allein der Schlüssel zur industriellen Stärke wäre, müsste Europa heute vor Kraft kaum laufen können. Das Gegenteil ist der Fall. Sind niedrige Zinsen in Asien also wirklich der Grund, warum asiatische Produkte die europäischen Märkte erobern?
Die unbequeme Gegenthese: Peter Frech, Fondsmanager bei Quantex, dreht die Frage in seinem aktuellen Newsletter um und sucht die Ursachen dort, wo sie wehtun, nämlich vor der eigenen Haustür. Eine ausufernde Regulierung, die Unternehmen mehr mit Formularen als mit Innovation beschäftigt. Energiepreise, die durch eine forcierte Energiewende zum Standortnachteil geworden sind. Eine Arbeitskultur mit kurzen Wochenarbeitszeiten, vielen Urlaubs- und Krankentagen. Hochschulen, die immer weniger Ingenieure hervorbringen, dafür umso mehr Juristen und politische Aktivisten, die der Industrie das Leben zusätzlich schwer machen. Und während in Asien hochmoderne Fabriken voller Roboter aus dem Boden schießen, produziert der Westen in Fabrikhallen aus Großvaters Zeiten, mitunter sogar an Maschinen, die noch vor dem Krieg gebaut wurden. Deutsche Wertarbeit, keine Frage, aber gewaltig in die Jahre gekommen.
Der Blick auf die Energierechnung: Dabei liegt der eigentliche Knackpunkt der Energiepolitik nicht im Umbau selbst, sondern im Timing. Europa, und allen voran Deutschland, steckt mitten in der Energiewende. Von einer verlässlichen Vollversorgung aus Wind und Sonne ist man weit entfernt, schon weil die Speicher fehlen, um Dunkelflauten zu überbrücken. Gerade in dieser Phase hätte es günstige Übergangsenergie gebraucht. Stattdessen hat sich Europa genau davon verabschiedet: von billigem und verlässlichem Gas aus Russland und weitgehend auch von russischem Öl. Seit Kriegsbeginn im Februar 2022 hat die EU sage und schreibe 21 Sanktionspakete geschnürt und im Oktober folgte die bislang umfangreichste Erweiterung der Sanktionsliste. Aber keine einzige deskalierende Initiative für Frieden und vor allem Versöhnung sowie ein europäisches Haus in dem Russland einen festen Platz hat.
Jedes Paket wurde mit dem Versprechen verkündet, Russland nun entscheidend in die Knie zu zwingen. Russland steht noch, die europäische Industrie dagegen ächzt. Vorsorglich wurde durch einen feigen Terrorakt Nord Stream gesprengt. Ein Kriegsverbrechen gegenüber Deutschland, wie die Bundesanwaltschaft den Anschlag wertet und wofür sich aktuell in Hamburg der Ukrainer Serhij K. – zum Tatzeitpunkt Offizier einer ukrainischen Spezialeinheit – verantworten muss.
Ersetzt wurde das russische Gas durch Lieferungen von „Freunden“: Pipelinegas aus Norwegen und schmutziges Flüssiggas, das per Tanker primär aus den USA kommt. Und genau dieses überteuerte Flüssiggas setzt heute den Preis für den gesamten Markt. Wer die alte Brücke abreißt, bevor die neue steht, darf sich nicht wundern, wenn er im Wasser landet.
Mehr als nur Energie: Gas und Öl sind nicht nur Brennstoff, sie sind Rohstoff. Aus Erdgas wird Dünger hergestellt, aus Öl und Gas entstehen die Grundstoffe der chemischen Industrie, von Kunststoffen bis zu Medikamenten. Wird die Basis teurer, wird alles teurer, was darauf aufbaut: die Energiewende selbst, die Lebensmittel auf dem Teller, die Produkte in den Regalen. Die Rechnung landet nicht nur bei der Industrie, sondern über die Inflation bei jedem einzelnen Verbraucher. Wer so produziert, verliert Marktanteile. Mit asiatischen Subventionen hat das herzlich wenig zu tun.
Quellenangaben
16.10.2026 | Quantex | InvestorNewsletter/Quantex_Werte_2026_10
o. D. | IHK Freiburg | Ukraine – Russland: 21. Sanktionspaket
07.10.2026 | European Pravda | EU to approve 1,646-entry sanctions list against Russia on 12 October
12.01.2026 | Bundesnetzagentur | Bundesnetzagentur veröffentlicht Zahlen zur Gasversorgung 2025
13.02.2026 | KfW Research | Erdgasimporte der EU: Diversifizierung oder neue Abhängigkeit?
o. D. | Rat der EU | Gasversorgung der EU
17.07.2026 | Berliner Zeitung | Uniper-Chef offenbart: US-Frackinggas bestimmt künftig Deutschlands Gaspreis
31.08.2026 | ms-aktuell.de | US-Flüssiggas wird für Deutschland zum neuen Risikofaktor
o. D. | Statistisches Bundesamt (Destatis), 2026 | Schulden des Öffentlichen Gesamthaushalts
24.06.2025 | n‑tv Resort Politik | 850 Milliarden Euro Neuschulden: Klingbeils großer Wurf oder ein Bumerang?
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