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Investmentnews 03 | 2026 - Thema: der künstliche Gewinnboom der Tech-Riesen

Warum die Tech-Riesen reich aussehen, während ihr Konto schrumpft
Wer dieser Tage die Wirtschaftsnachrichten liest, kommt aus dem Staunen nicht heraus. Die US-Tech-Giganten wie Amazon, Microsoft und Google vermelden Rekordgewinne. Die Börse feiert, und das Zauberwort heißt überall: Künstliche Intelligenz (KI). Doch wer hinter die glänzenden Fassaden blickt, entdeckt ein seltsames Phänomen: Die Firmen sehen auf dem Papier zwar steinreich aus, aber in ihren Kassen herrscht ein gewaltiger Sog nach unten. Wie kann das sein? Um das zu verstehen, muss man sich die Welt der Tech-Giganten wie einen Handwerksbetrieb vorstellen.
Das Geheimnis der Abschreibung: Der 100-Milliarden-Trick
Stellen Sie sich vor, ein Bäcker kauft für 10.000 EUR einen neuen Hightech-Ofen. Das Geld ist in diesem Moment weg – sein Bankkonto ist um 10.000 EUR geschrumpft.
In der Buchhaltung funktioniert das aber anders: Der Bäcker sagt sich: „Der Ofen hält zehn Jahre.“ Also zieht er in seiner Gewinnrechnung jedes Jahr nur 1.000 EUR als Kosten ab. Wenn er in diesem Jahr 5.000 EUR verdient, rechnet er: 5.000 EUR Einnahmen minus 1.000 EUR für den Ofen macht 4.000 EUR Gewinn.
Das Problem: Auf dem Papier hat er 4.000 EUR Gewinn gemacht, aber sein Bankkonto ist trotzdem leer, weil er ja die vollen 10.000 EUR für den Ofen sofort bezahlen musste.
Genau das passiert gerade bei Amazon, Microsoft und Google im riesigen Stil. Sie geben dieses Jahr über 600 Milliarden Dollar für Rechenzentren und Chips aus. In ihren Erfolgsberichten tauchen diese Summen aber nur als kleine Häppchen (Abschreibungen) auf, verteilt über viele Jahre. Das lässt die Gewinne riesig erscheinen, während das echte Bargeld – der sogenannte
Free Cashflow – in dramatischem Tempo abfließt.
Bei Amazon und Oracle ist das Konto derzeit sogar im Minus. Sie müssen neue Schulden aufnehmen, um den Betrieb zu finanzieren, obwohl sie „Rekordgewinne“ vermelden.
Die „Gutschrift“ in der Bilanz: Ein Wert, der gefährlich werden kann
Nun könnte man sagen: „Aber sie haben doch jetzt die tollen Rechenzentren! Die sind doch was wert!“ Das stimmt. In der Bilanz tauchen diese Gebäude und Chips als Vermögen auf – wie eine Art Gutschrift.
Doch hier lauert eine Gefahr: Ein Rechenzentrum ist nur so viel wert wie das Geld, das es später einmal verdient. Sind Privatpersonen bereit, monatlich einen Betrag für einen KI-Agenten zu bezahlen? Heute ist es einfach, weil die meisten Sachen kostenlos oder sehr erschwinglich sind. Einen zusätzlichen festen Betrag zu ihren ganzen anderen Abos für Streaming, Musik und TV?
Bleibt nur die Wirtschaft. Bloomberg prognostiziert 2,3 Billionen US-Dollar (2.300 Milliarden USD) weltweit im Jahr 2032 Einnahmen durch KI. Auf US-Firmen sollen ca. 1 Billion entfallen. Da sich besonders in den USA diese Blase bildet und die Bewertungen der Tech-Firmen unaufhörlich steigen, ein Blick in die USA.
Was verdienen US-Unternehmen über alle Branchen hinweg? Wie hoch ist insgesamt der Gewinn?
Das ist die wichtigste Kennzahl für unsere Frage, denn Firmen müssen das Geld erst erwirtschaften.
- Gesamtgewinn aller US-Firmen: Die summierten Gewinne aller US-Unternehmen (nach Steuern) belaufen sich aktuell auf historisch sehr hohe ~3,95 Billionen Dollar pro Jahr.
- Das Verhältnis: Wenn die Wirtschaft im Jahr 2032 rund 1 Billion Dollar für KI-Dienste in den USA ausgeben soll, müssten alle Unternehmen fast ein Viertel ihrer heutigen Gesamtgewinne in KI-Budgets umschichten.
Das ist wahrscheinlich nur zu leisten, wenn man Personalkosten spart. Dies wiederum erzeugt Druck im Staatshaushalt und würde notgedrungen die Steuern und Abgaben der Unternehmen erhöhen und es dem privaten Konsumenten erschweren, teure Abos einzugehen. Eine gewisse Skepsis bleibt bei dem Gedanken zurück.
Wenn die Welt in fünf Jahren vielleicht gar nicht so viel KI benötigt, oder wenn es dann viel bessere, billigere Chips gibt, werden die heutigen Hunderte-Milliarden-Investitionen plötzlich wertlos.
Wir stehen am Anfang einer unvorstellbaren Revolution. Galliumnitrid (GaN) Chips statt Silizium, photonische Chips (Licht statt Strom) und nicht zuletzt Quantencomputer. Die Hardwaretechnologie entwickelt sich rasant. KI programmiert sich selbst und entwickelt sich selbst. Ein Trend am Horizont steht da schon deutlich sichtbar.
On-Premise-AI/Local-AI oder – wenn sie auf Endgeräten läuft – Edge AI (Edge-KI).
Der unbemerkt lauernde Milliarden-Crash: Momentan fließt fast das gesamte Investment-Kapital der Tech-Giganten in gigantische Hyperscaler-Rechenzentren. Doch genau hier droht ein massiver Wendepunkt. Durch hocheffiziente Open-Weight-Modelle und bahnbrechende neue Hardware vollzieht sich in Unternehmen ein radikaler Paradigmenwechsel – der Wechsel von sündhaft teuren Cloud-Gebühren (OPEX) zu einmaligen Hardware-Investitionen vor Ort (CAPEX).
Dieses System nennt sich On-Premise-AI oder Local-AI. Sobald Unternehmen merken, dass sie maßgeschneiderte, vortrainierte KI-Modelle komplett lokal und ohne laufende Token- oder API-Gebühren auf eigenen Servern betreiben können, bricht das Geschäftsmodell der Cloud-Anbieter weg. Die Folge: Die astronomischen Investitionen in die globale Cloud-Infrastruktur geraten schlagartig ins Stocken – und hinterlassen eine der teuersten Investitionsruinen der Technologiegeschichte.
Auslöser oder Beschleuniger einer solchen Entwicklung könnten sein:
- Geopolitische Eskalationen & digitale Souveränität
- der „Mega-Blackout“ mit Vertrauensverlust durch Cloud-Ausfälle
- drastische Preiserhöhungen („Lock-in-Falle“)
- der Durchbruch hocheffizienter Open-Source-Modelle (wie zukünftige Llama- oder Mistral-Versionen). Bedeutet: Die Programme werden so extrem effizient komprimiert (Stichwort: Quantisierung), dass sie auf Standard-Büro-PCs oder kleinen Firmenservern mit gleicher Qualität laufen wie die gigantischen, proprietären Cloud-Modelle, die wir heute kennen.
- Einbruch der Datenleitungen (Bandbreiten-Flaschenhals)
- u.v.a.
In solch einem Moment kippt die Goldgräberstimmung und der Papierwert löst sich in Luft auf.
Das Geld-Karussell: Ich schenke dir was, damit du bei mir kaufst.
Was die Lage aktuell noch skurriler macht, ist eine Art „Inzest-Wirtschaft“. Die großen US-Konzerne haben Milliarden in KI-Startups wie OpenAI oder Anthropic gesteckt. Diese Start-ups nutzen das geschenkte Geld, um – Sie ahnen es – Rechenleistung bei genau denselben Konzernen zu kaufen, die sie gerade finanziert haben.
Das Kapital dreht sich im Kreis: Amazon gibt Geld an ein Start-up, das Start-up überweist es für Cloud-Dienste zurück an Amazon. Am Ende verbucht Amazon einen „Umsatz“, obwohl eigentlich nur das eigene Geld einmal um den Block gelaufen ist.
Besonders deutlich wurde das bei Amazon: Von den letzten 30 Milliarden Dollar Gewinn stammten 16 Milliarden allein daher, dass eine Beteiligung an der Firma Anthropic auf dem Papier mehr wert geworden war. Es wurde kein einziges Produkt verkauft – der Gewinn entstand nur durch eine neue Schätzung von Investoren.
Fazit: Eine Wette auf die Zukunft
Wir erleben derzeit einen gewaltigen Vorgriff auf die Zukunft. Die Firmen bauen die digitale Infrastruktur einer neuen Welt. Das ist so, als würde man ein Schienennetz durch den Wilden Westen verlegen, bevor die ersten Städte dort gebaut wurden.
Ob die Rechnung aufgeht, weiß heute niemand. Bisher verdienen außer den weltweiten Chip-Herstellern, kaum jemand wirklich Geld mit KI. Wir sehen Gewinne, die noch kein Bargeld sind, und Vermögenswerte, deren Nutzen erst bewiesen werden muss.
Wer heute über US-lastige Weltindizes oder gar direkt in diese Aktien investiert, sollte wissen: Er kauft kein Unternehmen, das im Geld schwimmt, sondern er beteiligt sich an einer gigantischen Wette. Wenn die KI-Revolution in ihrer ungetrübten »Disney«-Version kommt, werden diese Firmen die Herrscher der Neuen Welt sein. Wenn nicht, sitzen sie auf sehr teurem Elektroschrott.
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Mein Investmentteam im Backoffice, das mich in meiner Tätigkeit unterstützt, hat in diesem Quartal ebenfalls das Thema künstliche Intelligenz in den Fokus gerückt. Ebenso wie eine Analyse der globalen Entwicklungen des vergangenen Quartals sowie einen kurzen Ausblick, sofern dies geopolitisch vertretbar ist.
»Investmentnews – Kapitalmarkt-Ausblick 03/2026«
Ich wünsche Ihnen viel Freude und neue Erkenntnisse beim Lesen.
Quellenangaben:
04.06.2026 | Bloomberg | Ausblick Generative AI Market
11.09.2024 | VDI | GaN-Markt soll auf „mehrere Milliarden Dollar“ anwachsen
08.10.2025 | FAZ (Paywall) | Wie die deutsche Industrie lokale KI einsetzt
24.03.2026 | Presse Box |
Local AI als Plattform für souveräne KI-Anwendungen im Unternehmen
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