European Long-Term Investment Fund (ELTIF)

ELTIFs investieren in eine Vielzahl langfristiger und illiquider Anlageklassen, wie in Anlagen erneuerbare Energien mit Einspeisevergütung, private Fremdfinanzierung (Private Dept), Infrastrukturprojekte mit Betreibervergütung oder in Unternehmen, die sich auf die Transformation der Wirtschaft konzentrieren bzw. neu ausgerichtet werden (Private Equity). Diese Anlageformen waren bislang meist institutionellen Investoren vorbehalten. Mit der europäischen Richtlinie wurde eine Konstruktion geschaffen, die es Kleinanlegern ermöglicht, in nicht börsennotierte, langfristige Unternehmen zu investieren. Dies ist relevant, da etwa 86 % der Unternehmen mit einem Umsatz von über 100 Mio. EUR nicht, noch nicht oder nicht mehr an der Börse notiert sind. Für Anleger, die ihr Portfolio langfristig diversifizieren und von Märkten außerhalb der Börse profitieren möchten, stellt der ELTIF eine weitere Option dar. 

Kritik und strukturelle Risiken

Neben den allgemeinen Marktrisiken sollten Anleger beachten, dass die Bewertungen in ELTIFs nicht börsentäglich, sondern oft modellbasiert ermittelt werden. Kritiker weisen darauf hin, dass Transaktionen zwischen Private-Equity-Firmen (Secondary Buyouts) in der Vergangenheit dazu genutzt wurden, Bewertungen ohne freien Marktbezug in die Höhe zu treiben.

Zudem besteht der Verdacht, dass Privatanleger als „Exit-Liquidität“ dienen könnten. Da institutionelle Großinvestoren ihr Engagement derzeit teilweise zurückfahren, ermöglichen ELTIFs den Anbietern, Anteile an Kleinanleger zu veräußern. Dies dient primär der Monetarisierung der Gewinne für die Alt-Investoren („Smart Money“).

Auch das Segment „Private Debt“ birgt spezifische Gefahren: Hierbei handelt es sich oft um Kredite an Unternehmen, die keine regulären Bankdarlehen erhalten. In wirtschaftlichen Schwächephasen steigen die Ausfallraten in diesem Bereich überproportional an. In Kombination mit den vergleichsweise hohen laufenden Kosten müssen Anleger prüfen, ob die verbleibende Nettorendite dieses Risiko rechtfertigt.


Quellenbezug: Basierend auf Analysen von Morningstar/PitchBook zur Bewertung illiquider Assets, Berichten der Financial Times zur „Retail Revolution“ in Private Equity sowie Risikohinweisen der ESMA.